Minelli: Vom Paulus zum Saulus

Manchmal ist ein Blick ins Zeitungsarchiv erhellend. So erklärte zum Beispiel Ludwig A. Minelli, der Chef von Dignitas, bei der Gründung der neuen Suizidhilfeorganisation 1998, dass sich sein Verein  im Gegensatz zur Organisation Exit nicht am Rande der Legalität bewegen werde. Dignitas werde das Rezept für das tödliche Medikament strikt von einem Arzt ausstellen lassen.[i]

Wie sich die Zeiten doch ändern: Exit wandelte sich  vom Desperado zum Musterknaben, befolgt heute alle Sorgfaltspflichten, die Bundesgericht und Zürcher Oberstaatsanwaltschaft aufgestellt haben, und lässt sich vom Haudegen Minelli den Weg zu einer möglichst liberalen Suizidhilfe freischlagen. Dignitas hingegen probiert alles, um die „ärztliche Bevormundung“ loszuwerden.

Da werden Sterbewillige mit rezeptfreiem Helium in den Tod begleitet, Gynäkologen stellen Depressiven das Rezept fürs tödliche Natriumpentobarbital (NaP) aus, und ein psychisch Kranker klagt mit Unterstützung von Dignitas bis zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg, damit er NaP ohne Arztrezept beziehen könne. Ohne Erfolg wie der EGMR im Januar 2011 entschied.

Mal sehen, was Ludwig A. Minelli im Jahre 2024 fordert.


[i] Dignitas gegen Exit, der Bund 115/1998 vom 19. Mai 1998

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