Neues zum Traumberuf Anwalt

Müssen Konsumenten in Zukunft vor horrenden nachträglichen Anwaltsrechnungen Angst haben? Das Bundesgericht erlaubte es unlängst einem Genfer Anwalt, sein Honorar eigenmächtig von 600’000 auf 1,8 Millionen Franken zu erhöhen, weil er den Fall für seinen Mandanten erfolgreich abgeschlossen hat (Justizblog berichtete). Der Schweizerische Anwaltsverband nimmt erstmals Stellung.

Rechtsanwalt Michael Hüppi, Mediensprecher des Schweizerischen Anwaltsverbandes SAV, versucht zu beruhigen: „Wenn von vornherein eine klare Honorarvereinbarung abgeschlossen wurde, muss man nicht damit rechnen, dass ein Anwalt plötzlich nach dem Prozessgewinn ein einseitig festgesetztes Honorar fordert“.

Das ist schön und gut. Wie verhält es sich nun aber, wenn der Anwalt seinen Klienten über seine Honorarpraxis im Dunkeln gelassen hat? „Gemäss Bundesgesetz über die Freizügigkeit der Anwälte haben Anwältinnen und Anwälte bei Übernahme des Mandates die Klienten über die Grundsätze ihrer Rechnungsstellung aufzuklären“, beruhigt Hüppi weiter. „Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, verstösst gegen die einschlägigen Bestimmungen“.

Was Hüppi aber nicht sagt: Diese „einschlägigen Bestimmungen“ sind völlig zahnlos. Einem Anwalt, der seine Klienten nicht über seine Honorarpraxis aufklärt, droht höchstens eine Busse wegen einer Berufspflichtverletzung. Die Sanktion taugt also nicht, um Missständen den Riegel zu schieben.

Genau davor warnt im neuesten Beobachter der Rechtswissenschafter Daniel Schwander, der sich mit dem Bundesgerichtsentscheid intensiv auseinandergesetzt hat: „Dieses Urteil verleitet Anwälte dazu, ihre Klienten übers Honorar im Ungewissen zu lassen. Denn so können sie im Erfolgsfall eine gesalzene Zusatzrechnung aus dem Hut zaubern.“

Nötig wäre eine Praxisänderung des Bundesgerichts oder ein Bundesgesetz, das Anwälte, die schlecht über ihre Honoraransätze informieren, stärker sanktioniert.

Beobachter-Mitglieder finden übrigens qualifizierte Anwältinnen und Anwälte, die kein Erfolgshonorar verlangen unter www.helponline.ch/anwaltssuche

Ein Gedanke zu “Neues zum Traumberuf Anwalt

  1. Ja, wahrhaftig ein Traum – der für fast alle Kolleginnen und Kollegen auch immer ein Traum bleibt……..

    Der BGE könnte allerdings schon dazu verleiten, allenfalls noch vorhandene Naivitäten abzulegen. Nur: Wer – ausser gut betuchten Wirtschaftsanwälten – hat schon solche Fälle?

    Schön, dass ‚mal einer einen solchen Blog macht!

    Grüsse, Jürg Luginbühl

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