Zur Erziehung ins Gefängnis

Richter, Vormundschaftsbehörden und Regierungsstatthalter erklären Schülerinnen, wieso der Staat bis 1981 junge Frauen wegen „liederlichen Lebenswandels“ zur Erziehung in die Strafanstalt Hindelbank steckte. Ohne kriminelle Tat und ohne gerichtliches Verfahren.

Bis 1981 war es gängige Praxis der Vormundschaftsbehörden: Junge Frauen, die wiederholt von zu Hause ausgerissen sind oder zu jung einen zu alten Mann liebten, wurden wegen „liederlichen Lebenswandels“ auf unbestimmte Zeit zur Erziehung in die Strafanstalt Hindelbank eingewiesen. Der Beobachter hat diese Praxis bereits vor 70 Jahren angeprangert und unterstützt heute die Forderung der Betroffenen nach Wiedergutmachung.

Jetzt erhalten die Vormundschaftsopfer auch Support von Jugendlichen: Schülerinnen des Berufsbildungszentrums Wirtschaft, Informatik und Technik in Willisau haben Richter, Vormundschaftsbehörden und Regierungsstatthalter zum Gespräch über administrativ Versorgte eingeladen.  „Wir wollen mithelfen, der Gesellschaft die Augen zu öffnen“, erklärt die 18jährige Stefanie Amrein, eine der Initiantinnen des Projekts. Und: „Wir möchten Jugendliche dazu aufrufen, das Leid mit den Betroffenen zu teilen.“

Jugendliche habens begriffen. Nur Bund und Kantone noch nicht. Sie schieben einander gegenseitig die Verantwortung für diese Praxis zu, die den Kerngehalt der persönlichen Freiheit verletzt und erst auf Druck von Strassburg aufgegeben wurde.

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